2011
Rückblick e-nrw 2011: Datacenter 2020 – Auf dem Weg zum zukunftsfähigen Rechenzentrum
Cloud-Durchbruch in NRW im Jahre 2012
Die Modernisierung der IT-Landschaft in Nordrhein-Westfalen war auch in diesem Jahr wieder Topthema des Kongresses "e-nrw", der Ende November in Düsseldorf stattfand. Rund 180 Teilnehmer nutzen die Gelegenheit, um sich über aktuelle Themen wie Cloud Computing, E-Government, Datenschutz und IT-Kooperation, aber auch Software-Lizenzierung zu informieren und intensiv und perspektivisch mit den einzelnen Referenten zu diskutieren. "Cloud Computing wird auch 2012 ein großer Schwerpunkt bei IT.NRW sein" erklärte Christian Schenk, beim Landesbetrieb Information und Technik (IT.NRW) für das Architektur- und Portfoliomanagement verantwortlich. So wolle man beim zentralen IT-Dienstleister des Landes Nordrhein- Westfalen im kommenden Jahr den Trend zur Zusammenarbeit (Collaboration) aufgreifen und einen neuen Cloud-Service auf Basis vom Microsoft SharePoint anbieten. Eine weitere Herausforderung sieht Schenk in der zunehmenden "Consumerization of IT", die dazu führe, dass privat von den Kunden genutzte Technologie der am Arbeitsplatz oftmals weit voraus sei. Auf Kundenseite werde der Wunsch größer, die Mehrwerte dieser neuen Techniken auch beruflich nutzen zu können. Ein "großer Verhinderer" bei der Umsetzung dieses Wunsches seien jedoch die momentan noch bestehen Sicherheitsvorbehalte bspw. gegenüber dem iPad. Initiativen wie "Bring your own Device", bei denen der Kunde seine privaten Geräte auch im beruflichen Umfeld nutzen kann und die es in der Privatwirtschaft bereits an einigen Stellen gibt, kommen daher für Schenk bei IT.NRW auf absehbare Zeit nicht infrage.
Bettina Gayk, als Leiterin des Referats L1 beim Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein- Westfalen u. a. auch für rechtliche Grundsatzfragen und den behördlichen Datenschutz zuständig, hält es durchaus für möglich, die Ziele des Datenschutzes in einer Cloud umzusetzen, doch sei dies nicht ganz einfach. Spezifische Risiken sieht sie insbesondere im Bereich der Transparenz. Problematisch sei hier die Kontrolle und Nachvollziehbarkeit der Datenverarbeitung innerhalb der Cloud. Zudem müsse auch die Frage der Verteilung und Vervielfältigung der Daten so gelöst werden, dass transparent und nachvollziehbar sei "Wer weiß was über mich?". Der Landesbeauftragte für den Datenschutz (www.ldi.nrw.de) biete jedermann auf seiner Homepage weiterführende Informationen zu datenschutzrechtlichen Aspekten des Cloud Computings an.
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Rasante Zunahme in 2012
"Die Cloud wird im Hinblick auf E-Government-Angebote im nächsten Jahr auch bei Kommunen rasant zunehmen", dessen ist sich Wilfried Kruse, Beigeordneter der Landeshauptstadt Düsseldorf und Verbandsvorsteher der ITK Rheinland, sicher. Wichtig für die Kommunen sei es, diese Entwicklung mitzugestalten und eigene Clouds und Apps entweder selbst oder in PPP-Modellen als Portale und Dienste zur Verfügung zu stellen. E-Government ist für Kruse eine zentrale Größe im Standortwettbewerb. Ein effektives, hocheffizientes und kreativ-kooperatives E-Government müsse in Zukunft als "Qualitätsdienstleistungsprodukt Made in Germany" weltweit Maßstäbe setzen und die Wettbewerbsfähigkeit sichern, so Kruse weiter. E-Government bedeute Prozessoptimierung und realen und nachhaltigen Bürokratieabbau. Es beschleunige Investitionsentscheidungen der Unternehmen und sichere damit Arbeitsplätze in Deutschland. Das Land brauche daher auf allen staatlichen Ebenen die Bereitschaft zum Change-Management "von oben bis unten und umgekehrt".
Welch starken und ständigen Veränderungsprozessen ein kommunales Rechenzentrum (RZ) heute angesichts der bestehenden Herausforderungen unterliegt, machte Reinhold Harnisch, Geschäftsführer des Kommunalen Rechenzentrums Minden-Ravensberg/Lippe (krz), deutlich. Neben den grundlegenden technologischen Herausforderungen wie Server- Konsolidierung, Virtualisierung und dem damit eng verbundenen Thema Energieeffizienz liegt beim krz seit Jahren schon ein besonderer Fokus auf Datensicherheit. 2007 hatte man als erstes kommunales RZ in Deutschland eine BSI-Zertifizierung nach ISO-27001 auf Basis von IT-Grundschutz erhalten. Aktuell läuft bereits das zweite Rezertifizierungsverfahren, das beim krz in Lemgo immer mit einer umfangreichen Überprüfung der Geschäftsprozesse und des Qualitätsmanagements verbunden ist und bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll. "Die wichtigste Sicherungsmaßnahme sind in Sicherheitsfragen gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter", betonte Harnisch. Die Frage der Personalentwicklung sei mittlerweile ohnehin zum Dauerthema geworden, da angesichts des demographischen Wandels der Personalfindung und -bindung eine zunehmend größere Bedeutung zukommen, so Harnisch weiter.
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Martin Lehrer, Hauptreferent für Informationstechnologie beim Städte- und Gemeindebund NRW, gab einen durchaus kritischen Einblick in die Kundenbeziehung zwischen seinen Mitgliedskommunen und den kommunalen Gebietsrechenzentren. Nach Meinung vieler kreisangehöriger Kommunen sei die derzeitige IT-Struktur unbefriedigend, so Lehrer. Diese betrachteten ihre Beziehung zu den Gebietsrechenzentren oftmals als zu starr und wenig skalierbar. Kritisch werde dort auch die Abnahmeverpflichtung für Basisleistungen gesehen, die bei vielen Rechenzentren bestünde. Auch das langwierige und teure Verfahren im Falle des Austritts aus einem RZ-Verband wird bei den kommunalen Entscheidungsträgern bemängelt. Die Kommunen wünschten sich mehr Entscheidungsfreiheit und auch eine Auswahl unter konkurrierenden IT-Dienstleistern und mehr interkommunale Zusammenarbeit, wo diese wirtschaftlich sinnvoll sei. |
Bei der Suche nach Einsparmöglichkeiten im IT-Bereich spielen die Software-Lizenzen der öffentlichen Verwaltung in der aktuellen Diskussion so gut wie keine Rolle. Zu Unrecht, wie Christian Grave, Geschäftsführer der ProLicense GmbH, den Teilnehmern auf "e-nrw" demonstrierte. "Viele öffentliche Verwaltungen sind maßgeblich über- oder unterlizenziert", so Grave. Der unabhängige Oracle-Lizenzexperte zeigte am Beispiel des "Unlimited License Agreement" (ULA) einen alternative Ansatz auf, mit dem sich die Lizenzkosten senken lassen (vgl. auch Behörden Spiegel 11/ 2011, S. 20). Wichtig sei es jedoch, im Vorfeld die Vor- und Nachteile einer solchen Vereinbarung zu prüfen und den eigenen Lizenzbestand zu analysieren, um anschließend neue Lizenz- und Supportvereinbarungen zu verhandeln. Hier bietet ProLicense seine externe Expertise an. Das Potenzial, durch eine effiziente Software-Lizenzierung Gelder einzusparen, sei gerade auch im öffentlichen Bereich größer, als er bei der Gründung des Unternehmens vermutet hätte. "Bei einem kleinen Klinikum konnten wir durch Optimierung der Lizenzen alleine rund 800.000 Euro Einsparungen erbringen", berichtete Grave.
Vorträge 2011:
- IT.NRW: Auf dem Weg zum zukunftsfähigen Rechenzentrum
Christian Schenk, Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen
- E-Government-Strategien in der öffentlichen Verwaltung
Wilfried Kruse, Beigeordneter der Landeshauptstadt Düsseldorf, Verbandsvorsteher der ITK Rheinland
- Zukunftsfähige Infrastrukturen im krz
Reinhold Harnisch, Geschäftsführer, Kommunales Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe
- IT-Kooperationen im kommunalen Bereich
Martin Lehrer, Hauptreferent für Informationstechnologie, Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen
- Datenschutzrechtliche Aspekte des Cloud Computing
Bettina Gayk, Referat L1, Landesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen
- Oracle-Lizensierung im Zeitalter des Cloud Computing: Die Unlimited License Agreement – Ein möglicher Lösungsansatz
Christian Grave, Geschäftsführer der ProLicense GmbH